Kaufratgeber
Gebrauchtwagen-Checkliste zum Ausdrucken und Abhaken
CheckerHero-Team · · aktualisiert am · 10 Min. Lesezeit

Eine Gebrauchtwagen-Checkliste hilft dir genau in dem Moment, in dem es spannend wird: Das Auto steht vor dir, die Verkäufer:in wartet, und du willst nichts übersehen. In der Aufregung gehen Serviceheft, Reifenprofil oder der Blick unter die Motorhaube schnell unter. Diese Liste führt dich Schritt für Schritt vom Inserat bis zum Kaufvertrag.
Zum Ausdrucken: Checkliste als PDF herunterladen (zwei Seiten A4 mit Notizfeld)
So nutzt du die Gebrauchtwagen-Checkliste
Druck dir die Liste aus und geh die Phasen der Reihe nach durch. Hake ab, was in Ordnung ist. Alles Auffällige fotografierst du und notierst es mit einem Stichwort. Ein Punkt, der nicht passt, ist noch kein Grund abzusagen, aber immer ein Grund nachzufragen.
Du brauchst nicht viel: eine Taschenlampe, ein Tuch für den Ölmessstab, dein Handy, Führerschein und Ausweis. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät außerdem, eine Person mitzunehmen, die sich mit Autos gut auskennt. Bei einem E-Auto entfallen Ölstand und Auspuff. Dafür prüfst du Ladeanschluss und Ladekabel und fragst, ob die Batterie mitverkauft oder gemietet ist.
1. Vor der Besichtigung: Inserat und Telefonat
Vieles klärst du schon vorab und sparst dir so eine vergebliche Fahrt.
- Preis mit ähnlichen Angeboten vergleichen. Ein auffällig niedriger Preis ist ein Warnzeichen.
- Inserat genau lesen und einen Screenshot machen: Kilometerstand, Erstzulassung, Ausstattung, Angaben zu Unfällen.
- Am Telefon fragen: Gab es Unfälle oder reparierte Vorschäden? Wie viele Vorbesitzer:innen? Steht die Verkäufer:in als Halter:in im Fahrzeugbrief? Warum wird verkauft?
- Bitten, alle Unterlagen mitzubringen: Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief, letzten HU-Bericht, Serviceheft (bei digitalem Heft einen Ausdruck), Rechnungen und alle Schlüssel.
- Termin bei Tageslicht und trockenem Wetter vereinbaren, am besten an der Wohnadresse der Verkäufer:in oder beim Händler.
- Bitten, den Motor vorher nicht laufen zu lassen, damit du einen echten Kaltstart erlebst.
- Klären, ob das Auto für eine Probefahrt zugelassen und versichert ist.
2. Unterlagen und Fahrzeugidentität
Die Papiere zeigen dir, ob Auto, Inserat und Verkäufer:in zusammenpassen.
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) und Fahrzeugbrief (Teil II) im Original ansehen. Ohne Fahrzeugbrief lieber nicht kaufen.
- Namen im Fahrzeugbrief mit dem Ausweis der Verkäufer:in vergleichen. Weicht er ab, nach dem Grund fragen und ihn belegen lassen.
- FIN suchen (Fahrzeug-Identifizierungsnummer, auch Fahrgestellnummer), etwa auf dem Typenschild oder unten an der Windschutzscheibe. Sie muss mit beiden Papieren übereinstimmen. Bei neueren Autos hat sie 17 Stellen.
- Letzten HU-Bericht lesen (HU heißt Hauptuntersuchung). Darin stehen FIN, Kilometerstand und alle festgestellten Mängel, auch geringe, manchmal mit Hinweisen auf Verschleiß oder Rost.
- Nächsten HU-Termin auf der Plakette ablesen. Steht er bald an, ist das ein Verhandlungspunkt.
- Serviceheft und Rechnungen durchgehen: Wurde regelmäßig gewartet? Gibt es Belege für größere Arbeiten wie einen Zahnriemenwechsel?
- Kilometerstände in Serviceheft, Rechnungen und HU-Berichten vergleichen. Sie müssen mit jedem Datum steigen und zum Tacho passen.
- Schlüssel zählen und jeden einmal ausprobieren.
3. Außen: Karosserie, Reifen und Licht
Von außen erkennst du Hinweise auf Unfälle, Rost und Kosten, die bald auf dich zukommen.
- Langsam ums Auto gehen und jede Seite schräg gegen das Licht ansehen: Dellen, Kratzer, Farbunterschiede zwischen den Bauteilen?
- Spaltmaße prüfen, also die Fugen zwischen Türen, Hauben und Kotflügeln. Sie sollten überall gleich breit sein.
- Nach Lacknebel suchen: Feine Farbspritzer auf Dichtungen, Kunststoff oder Glas deuten auf eine Nachlackierung hin.
- Rost suchen, vor allem an Radläufen, Schwellern (den Kanten unter den Türen) und Türunterkanten.
- Scheiben auf Steinschläge und Risse prüfen, besonders im Sichtfeld.
- Alle Lichter testen, am besten mit einer zweiten Person: Abblend- und Fernlicht, Blinker, Warnblinker, Brems- und Rückfahrlicht.
- Reifen ansehen: gleichmäßig abgefahren, ohne Risse oder Beulen? Vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm Profil (§ 36 StVZO). Der ADAC empfiehlt mindestens 3 mm bei Sommer- und 4 mm bei Winter- und Ganzjahresreifen.
- Profil grob mit einer 1-Euro-Münze testen: Verschwindet der goldene Rand im Profil, sind es etwa 3 mm oder mehr.
- Reifenalter ablesen: Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Flanke nennen Herstellungswoche und -jahr, etwa 2321 für Woche 23 im Jahr 2021.
4. Innen: Geruch, Verschleiß und Elektrik
Der Innenraum verrät, wie mit dem Auto umgegangen wurde.
- Geruch prüfen: Rauch, Schimmel oder ein muffiger, feuchter Geruch sind Warnzeichen.
- Teppiche und Kofferraumboden abtasten: Ist alles trocken? Ist die Reserveradmulde frei von Wasser und Rost?
- Abnutzung von Lenkrad, Schaltknauf, Pedalen und Fahrersitz ansehen: Passt sie zum Kilometerstand?
- Zündung einschalten: Die Warnleuchten leuchten kurz auf und gehen nach dem Motorstart aus. Bleibt eine an oder leuchtet eine gar nicht erst auf, nachfragen.
- Gurte ganz herausziehen: Sind sie unbeschädigt und rollen sie sauber wieder auf?
- Elektrik testen: Fensterheber, Spiegel, Zentralverriegelung, Hupe, Radio und Navi.
- Klimaanlage und Heizung einschalten: Kommt wirklich kalte und warme Luft?
- Warndreieck, Verbandkasten, Warnweste und Wagenheber oder Pannenset suchen.
5. Motorraum
Hier musst du nichts reparieren können. Du suchst nur nach auffälligen Spuren.
- Gesamteindruck: Ein frisch gewaschener Motor ist kein Mangel, aber Öl- und Wasserspuren siehst du dann schlechter. Frag nach dem Grund.
- Ölstand am Messstab prüfen, bei abgestelltem Motor und gerade stehendem Auto. Er sollte zwischen den Markierungen liegen.
- Unter den Öleinfülldeckel schauen: Ein milchiger, hellbrauner Belag ist ein Grund, genauer prüfen zu lassen.
- Kühlmittel und Bremsflüssigkeit an den Behältern ablesen: zwischen Min und Max? Den Kühlmittelbehälter nie bei warmem Motor öffnen.
- Nach feuchten, öligen Stellen am Motor und nach Tropfen darunter suchen.
- Schläuche und Kabel auf Risse und Marderbisse ansehen.
6. Probefahrt
Erst auf der Straße zeigt sich, wie Motor, Getriebe, Bremsen und Fahrwerk zusammenspielen.
- Vorher klären, wer bei einem Schaden zahlt, und es kurz schriftlich festhalten. Zeig deinen Führerschein: Die Verkäufer:in vertraut dir ihr Auto an.
- Kaltstart beobachten: Springt der Motor sofort an und läuft er gleichmäßig? Klappert oder rasselt etwas?
- Unterschiedliche Strecken fahren: Stadt, Landstraße und wenn möglich Autobahn.
- Schaltwagen: Lassen sich alle Gänge samt Rückwärtsgang leicht und ohne Kratzen einlegen? Greift die Kupplung erst ganz oben, kann sie verschlissen sein.
- Automatik: Schaltet das Getriebe weich, ohne Ruckeln oder Verzögerung?
- Bremsen an einer freien, sicheren Stelle testen: Zieht das Auto zur Seite? Rubbelt oder quietscht es? Bleibt das Pedal fest?
- Lenkung prüfen: Fährt das Auto geradeaus, ohne dass du gegenlenkst? Knackt es, wenn du im Stand voll einlenkst?
- Radio aus und auf Geräusche achten: Poltern über Unebenheiten, Brummen, das mit dem Tempo lauter wird, Pfeifen oder Schleifen.
7. Nach der Probefahrt
Manche Schwächen zeigen sich erst bei warmem Motor.
- Motor im Leerlauf laufen lassen: Läuft er ruhig? Sind alle Warnleuchten aus?
- Unter das Auto schauen: Tropft es frisch?
- Riecht es nach verbranntem Öl oder süßlich nach Kühlmittel?
- Motor abstellen und warm noch einmal starten.
- Notizen durchgehen und offene Fragen direkt stellen.
- Gefundene Mängel sachlich und mit Fotos in die Preisverhandlung einbringen.
- Nicht unter Druck entscheiden. Bist du unsicher, vereinbare vor der Unterschrift eine fachkundige Prüfung.
8. Kaufvertrag, Übergabe und Zahlung
Ein schriftlicher Vertrag schützt beide Seiten, denn mündliche Zusagen lassen sich im Streitfall schwer beweisen.
- Schriftlichen Kaufvertrag nutzen, zum Beispiel einen Mustervertrag, in zwei Exemplaren.
- Namen, Anschriften und Ausweisdaten beider Seiten sowie die Fahrzeugdaten mit FIN eintragen.
- Kilometerstand bei Übergabe eintragen. Bestätigt die Verkäufer:in, dass er der tatsächlichen Gesamtlaufleistung entspricht, lass genau das in den Vertrag schreiben.
- Unfallschäden und bekannte Mängel konkret notieren. Zusagen wie „unfallfrei“ oder „Zahnriemen neu“ gehören ebenfalls hinein.
- Mitverkauftes aufschreiben: Zubehör, zweiter Radsatz, Sonderausstattung.
- Gewährleistung klären: gesetzlich, verkürzt oder ausgeschlossen? Mehr dazu unter der Liste.
- Übergabe mit Datum, Uhrzeit, Kilometerstand, Schlüsseln und Unterlagen festhalten.
- Erst zahlen, wenn du Auto, beide Zulassungsbescheinigungen und alle Schlüssel bekommst.
- Bar nur an einem belebten Ort zahlen, am besten in einer Bankfiliale: Dort wird das Geld gleich eingezahlt und auf Fälschungen geprüft. Alternativ vor Ort per Echtzeitüberweisung zahlen, direkt vor der Übergabe.
- Die Zahlung im Vertrag quittieren lassen.
- Für die Zulassung eine eVB-Nummer (elektronische Versicherungsbestätigung) bei deiner Versicherung anfordern.
Zur Gewährleistung, also der Haftung für Mängel, die schon beim Kauf bestanden: Bei Privatverkäufen wird sie oft ausgeschlossen. Auf diesen Ausschluss kann sich die Verkäufer:in laut § 444 BGB aber nicht berufen, wenn sie einen Mangel arglistig verschwiegen, also bewusst verheimlicht hat. Kaufst du beim Händler, verjähren Mängelansprüche laut BGB nach zwei Jahren. Bei Gebrauchtwagen darf er die Frist auf ein Jahr verkürzen, wenn er dich vorher eigens darauf hinweist und das im Vertrag ausdrücklich und gesondert vereinbart wird (§§ 438, 476 BGB). Das ist keine Rechtsberatung. Bei Fragen hilft etwa eine Verbraucherzentrale.
Wo eine Laien-Checkliste aufhört
Mit dieser Liste erkennst du viele Warnzeichen. Drei Bereiche kannst du ohne Werkzeug und Erfahrung aber kaum beurteilen:
- OBD-Diagnose: Über eine Buchse im Innenraum wird der Fehlerspeicher ausgelesen. Dort können Fehler stehen, für die keine Warnleuchte brennt.
- Lackschichtmessung: Ein Messgerät zeigt, wie dick der Lack auf jedem Bauteil ist. Deutliche Unterschiede können auf eine Nachlackierung nach einem Schaden hindeuten.
- Unterboden: Rost, Leckagen und reparierte Schäden unter dem Auto siehst du ohne Hebebühne nur teilweise. Frischer Unterbodenschutz kann zudem Schäden verdecken.
Kostet das Auto viel, steht es weit weg oder bist du unsicher, ist eine fachkundige Prüfung vor dem Kauf sinnvoll. Bei CheckerHero fährt eine Checker:in zum Auto und prüft es vor Ort. Der Technik-Check umfasst unter anderem eine OBD-Diagnose und eine Sichtprüfung von Fahrwerk und Unterboden, der Premium-Check zusätzlich eine Lackschichtmessung. Mit der zubuchbaren Kaufbegleitung kommt die Checker:in auch zu deinem Besichtigungstermin mit.
Auch eine fachkundige Prüfung hat Grenzen. Ohne Ausbau bleiben zum Beispiel Schäden im Motorinneren oder der Zustand von Kupplung und Turbolader verborgen. Ein Check ist kein Gutachten und keine Garantie. Bei hochpreisigen Autos empfehlen wir deshalb ergänzend ein Sachverständigengutachten.
Das Wichtigste zusammengefasst
Mit einer festen Reihenfolge prüfst du ruhiger und vergisst weniger. Unterschreibe erst, wenn alle Fragen geklärt sind, und zahle erst bei der Übergabe von Auto, Papieren und Schlüsseln. Wo deine eigene Prüfung endet, hilft eine fachkundige Prüfung vor dem Kauf.
Weiterlesen: Gebrauchtwagen-Check: Was kostet er und was bekommst du dafür? · So funktioniert CheckerHero: vom Inserat zum Prüfbericht
Quellen: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (2025), ADAC (2026), Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (2026), Bürgerliches Gesetzbuch (2026)
Häufige Fragen
Welche Unterlagen brauche ich beim Gebrauchtwagenkauf?
Lass dir Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil I und II) im Original zeigen und vergleiche die FIN mit dem Auto. Dazu kommen der letzte HU-Bericht, das Serviceheft, Rechnungen über größere Arbeiten und alle Schlüssel. Für die Zulassung brauchst du außerdem eine eVB-Nummer deiner Versicherung.
Wo finde ich die Fahrgestellnummer am Auto?
Die Fahrgestellnummer heißt offiziell Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN. Sie steht auf dem Typenschild und ist laut § 59 StVZO vorn auf der rechten Fahrzeugseite eingeschlagen oder eingeprägt. Bei vielen Autos ist sie auch unten an der Windschutzscheibe zu sehen, außerdem steht sie in Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief. Bei neueren Autos hat sie 17 Stellen.
Soll ich einen Gebrauchtwagen bar oder per Überweisung bezahlen?
Beides ist möglich, entscheidend ist der Zeitpunkt: Zahle erst, wenn du Auto, beide Zulassungsbescheinigungen und alle Schlüssel bekommst, und leiste keine Vorkasse. Bei Barzahlung rät die Polizeiliche Kriminalprävention zu einem belebten Ort, am besten bei einer Bank, die das Geld auf Fälschungen prüft. Eine Echtzeitüberweisung bietet sich vor Ort direkt vor der Übergabe an.
Was gehört in einen Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen?
In den Vertrag gehören Namen, Anschriften und Ausweisdaten beider Seiten, die Fahrzeugdaten mit FIN, der Kilometerstand bei Übergabe und der Preis. Halte außerdem bekannte Mängel, Unfallschäden, Zusagen der Verkäufer:in, mitverkauftes Zubehör, die Zahlungsart sowie Datum und Uhrzeit der Übergabe fest. Am einfachsten nutzt du einen Mustervertrag in zwei Exemplaren.
Kann ich einen Gebrauchtwagen selbst prüfen?
Vieles ja: Papiere, Karosserie, Reifen, Innenraum, Flüssigkeitsstände und das Fahrverhalten kannst du mit einer Checkliste selbst ansehen. Den Fehlerspeicher (OBD-Diagnose), die Lackschichtdicke und den Unterboden kannst du ohne Werkzeug und Erfahrung dagegen kaum beurteilen. Bei teuren Autos oder wenn du unsicher bist, ist deshalb eine fachkundige Prüfung vor dem Kauf sinnvoll.